Seit wann gibt es den Umzug in Bevergern?

rosenmontagszug_01.jpgKarnevalistische Umzüge gibt es in Bevergern schon sehr lange. Ein erster schriftlicher Nachweis aus der Zeit um 1800 berichtet, dass diese Tradition schon von alters her ausgeübt wird. Während es sich zu früheren Zeiten wohl eher um spontan organisierte Umzüge von Maskierten handelte, kann man davon ausgehen, dass der fest organisierte Umzug -so wie wir ihn heute kennen- bereits ab 1936 abgehalten wurde.

Diese Tradition hat sich -mit Unterbrechung durch den 2. Weltkrieg- bis  in die heutige rosenmontagszug_06.jpgZeit fortgesetzt. Die einzige Absage des Umzugs und fast aller karnevalistischer Veranstaltungen in jüngerer Zeit fand im Jahr 1991 während der 1. Golfkriegs statt. Der erste Karnevalszug nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Jahre 1948 mit Prinz Heini Segbers als Regent organisiert und durchgeführt.

Fester Bestandteil des Rosenmontagszugs sind der Prinzenwagen sowie der Wagen des Türkenmariechens. Beide Prunkwagen werden eskortiert von den Tänzerinnen des Tanzcorps KG Burggarde Bevergern e.V. sowie -zur karnevalistisch musikalischen Umrahmung- vom Spielmannszug Bevergern. Diesem herrschaftlichen Tross voran fahren seit alters her die vielen Karnevalswagen und Fußgruppen mit ihren teilweise spektakulären Motiven und Themen.

Wie und wo werden die Wagen gebaut?

Die Motivwagen werden von Cliquen, Freundes- oder Familienkreisen usw. gebaut. Dies geschieht in den Schuppen und Scheunen der Landwirte Bevergerns und Umgebung. Als die Landwirtschaft noch weit verbreitet war, waren sämtliche Scheunen zu Karneval von den Wagenbauern belegt. Heute bestehen teilweise schon Schwierigkeiten, geeignete Räumlichkeiten zu finden, so dass unter Umständen mehrere Wagen von verschiedenen Gruppen in einem Schoppen gebaut werden müssen, was der allgemeinen Stimmung der Gruppen untereinander aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil!

prinzenwagen_05.jpgIn Bevergern haben die Gruppen die gestalterische Freiheit selbst festzulegen, welches Motiv -sei es lokaler oder überregionaler Art- ihr Wagen darstellen soll. Seitens des Vereins wird kein “Umzugsmotto” vorgegeben. Jede Gruppe muss selbst und auf eigene Kosten für Wagen, Zugfahrzeug, Baumaterial und “Würstchen & Getränke” vor Ort sorgen. Es gibt Gruppen, die schon bis zu acht Wochen vor Rosenmontag mit ihrer Arbeit am Motivwagen beginnen, während andere spontan & kurzfristig vor Rosenmontag mit dem Bau beginnen.

Am Samstag vor Rosenmontag werden die Wagen vom Prinzen samt Gefolge und dem Vorstand besichtigt. Bei der sogenannten “Wagenabnahme” wird kontrolliert, ob anstößige Motive oder Beschriftungen am Karnevalswagen eine Zulassung zum Zug unmöglich machen. Der Ausschluss eines Motivwagens oder einer Fußgruppe vom Zug ist in der Zeit seit 1960 eigentlich nie vorgekommen. Meistens konnte die “anstössige Beschriftung” des Wagens mit einem Strich Farbe beseitigt werden.

Der Umzug

Etwa eine Stunde vor Beginn des Zuges sammeln sich alle Teilnehmer mit ihren Motivwagen bzw. Fußgruppenrosenmontagszug_05.jpg an den Sammelpunkten “Stüwwestrasse” und “Dreierwalder Damm”. Seit 1935 startet der Rosenmontagszug pünktlich um 10.11 Uhr mit einem Trommelwirbel und setzt sich von der Rodder- bzw. Stüwwestraße kommend Richtung Stadtmitte in Bewegung.
Der Weg führte den Umzug bis zum Jahre 1985 immer über den Marktplatz, wo der Prinz auch seine Thronrede hielt. Nachdem die Altstadt saniert wurde und vor der ehemaligen Gastwirtschaft Korte, heute “Klosterhof”, ein Baum gepflanzt wurde, war es nicht mehr möglich, mit dem Prinzenwagen den alten Weg zu fahren. Seit 1986 hält der Prinz seine Rede vor der Volksbank. Hier wird dem Prinzen dann auch der “Schlüssel” der alten Festungsstadt Bevergern vom Ortsvorsteher übergeben. Die Übergabe symbolisiert die dreitägige Regentschaft über die Stadt Bevergern.
rosenmontagszug_03.jpgSeit 2006 führt der Zug in einer großen Runde über die Lange Straße, Riesenbecker Straße, Westfalenstraße, van-Galen-Straße und zurück auf die Lange Straße. Die mehreren Tausend Besucher haben so immer die gute Gelegenheit, ohne Standortwechsel den Umzug in relativ kurzer Zeit zwei mal zu sehen.

Und was passiert dann?

Nach dem Umzug versammeln sich alle Wagenbauer zum gemeinsamen Erbensuppe essen auf dem Burgplatz und ziehen dann gruppenweise durch die Kneipen der Stadt, wo sich  bereits die Zuschauer des Straßenumzugs amüsieren. Das große Festzelt mit Disco ist seit einigen Jahren fest in der Hand der jugendlichen Karnevalisten, während sich die anderen “Jecken” bis zum Einbruch der Nacht bei ihren Rundgängen von Kneipe zu Kneipe karnevalistisch vergnügen…